„Hirnverletzte Menschen teilen sich mit” Das Wissen um die Wirkung des Atems auf die Entfaltung des menschlichen Bewusstseins und die körperliche, geistige und seelische Gesundheit reicht mehr als 2000 Jahre zurück. Atemtherapie wendet sich den vegetativen Prozessen im Unbewussten zu. Den Atem erfahren bedeutet, das freie Fließen des inneren Atems zuzulassen, das Zusammenspiel von Sammlung, Empfindung, und der Bewegung des Atems zu entdecken. Körper und Seele werden so als Einheit erfahren. Auch bei hirnverletzten Menschen wird Atemtherapie mit Erfolg angewandt. Seit über zehn Jahren arbeitet Christa Camerer atemtherapeutisch mit Menschen, die einen Schlaganfall, Schädel-Hirntrauma erlitten oder sich im Koma beziehungsweise Wachkoma befinden. Jenseits der Notfallbehandlung ist Atemtherapie geeignet als eine mögliche Anschlussbehandlung in der Rehabilitation im Rahmen neurologischer Therapien. Die ursprünglichste Bewegung Atem ist eine lebenstragende Funktion unseres Körpers. Die meist unbewusste Atemfunktion wird als Atembewegung wahrgenommen. Durch Sammlung und Empfindung können wir das rhythmische Spiel von Einatem, Ausatem und Atemruhe erfahren. Der Grundrhythmus der Atmung wird im Atemzentrum reguliert. Jede Bewegung braucht Energie, braucht vermehrt Sauerstoff, und deshalb ist das Atemzentrum in unserem Stammhirn an jeder Bewegungsplanung in den motorischen Zentren unseres Gehirns direkt beteiligt. Der Atem begleitet die Ausführung aller Bewegungen. Bewegung ist ein ganzheitlicher Vorgang. Atem kann als die Urbewegung des Organismus bezeichnet werden, ist pulsierende Bewegung, Merkmal der „Lebendigkeit”.
Die Atemtherapie geht in ihrer Intention über den rein körperlichen Aspekt der Atmung hinaus und wendet sich an den ganzen Menschen. Sie setzt an der leiblich-geistig-seelischen und sozialen Einheit des Menschen an und arbeitet an deren Bewusstwerdung. In dieser Hinsicht ist Atemerfahrung immer ein sich Kennenlernen. Den eigenen Atem
„wahr”-nehmen ohne ihn zu verändern, heißt immer auch mit tiefen Schichten des Bewusstseins in Kontakt treten. Den Atemfluss hemmende körperliche und seelische Haltungen werden bewusst und können so verändert werden. Körpersignale werden verstanden, ernst genommen, die Selbstheilungskräfte mobilisiert. Mit wachsender Durchlässigkeit für die Atembewegung entwickeln sich Lebensfreude, Wohlbefinden und Gelassenheit.Atemtherapeutische Hilfe wird eingesetzt bei Symptomatiken • der Muskulatur • der Gelenke und • in der Schwangeren-Vorsorge • zur Stress-Bewältigung • bei Hirnverletzungen (Schlaganfall, SHT, Koma) • Atemwegserkrankungen • Angst-und Erschöpfungszuständen. Atemübung bei Hirnverletzten Auch im tiefsten Koma bleiben die Atembewegungen von Lunge, Herz und Kreislauf die wichtigsten Bewegungen, die uns amLeben erhalten. Jeder kleine Reiz von außen oder innen, Berührungen, Temperaturveränderungen, Blutdruckschwankungen, Gedanken, Gefühle, alles verändert die Art und Weise zu atmen. Dies kann sehr differenziert erlebt und empfunden werden. Der Atem wirkt bis in die Tiefen der vegetativen und motorischen Steuerungsprozesse im Unbewussten: diese Ebene verstehen auch hirnverletzte Menschen. Und der Atem schafft einen Weg, sich mitzuteilen. Atemtherapie ist eine non-verbale, interaktive Therapie. In einem körpernahen Dialog kann Kommunikation aufgebaut werden – jenseits der Sprache. Durch die spezielle Atemtherapie für Hirnverletzte wird • der Atem aktiviert, • die Atemtiefe vergrößert, • der Einsatz der AtemMuskulatur verstärkt, • das Körperempfinden geschult, • eine natürliche Tonisierung, • das Lösen von Spastiken erreicht. Angebote des Atemcentrums sind: • Einzeltherapie/Atembehandlung mit hirnverletzten Menschen • Kurse/„Atemtherapie in der Krankenbehandlung, eine prozessorientierte Atemarbeit” für Angehörige von Schwerstkranken und Menschen, die in ihrer beruflichen Tätigkeit in engem Kontakt mit anderen Menschen stehen (Pflegekräfte, Therapeuten, Ärzte, Pädagogen ...) Durchführung der Atemtherapie Atemtherapie in der Einzelarbeit dauert in der Regel 60 Minuten; es wird am liegenden Patienten oder sitzend (im Rollstuhl) gearbeitet. Durch Schauen und Berührung wird der Atemrhythmus wahrgenommen. Mit Hilfe von Behandlungsgrif fen wird die Atembewegung schrittweise ins Fließen gebracht, durch dehnende, lösende oder anregende Reize. Der Atem, der dadurch in der Tiefe befreit wird, gleicht den Tonus der Muskulatur aus, was zu Tiefen-Entspannung und StressReduktion führen kann. Menschen im Koma haben meist einen erhöhten Tonus. Die Hände des Therapeuten begleiten die Atembewegung. Der Patient wird über die Berührung als ganzer Mensch (also in seiner psychophysischen Einheit) angesprochen. Die Berührung weckt den Tastsinn – das Empfindungsbewusstsein. Patient und Therapeut können in der Art der Atembewegung individuelles Reagieren spüren; der Patient erfährt sich in seinem Kontaktverhalten zum Behandler. Die Körpergrenzen werden deutlich gemacht, damit der Patient sich vollständig spürt, die Wahrnehmung von oben und unten, rechts und links, vorne und hinten bekommt. Dies geschieht meist ohne Worte, so dass der Patient sich auf sein Körper-Erleben einlässt, auch im veränderten Bewusstseins-Zustand, wie zum Beispiel Wachkoma. – Beitrag von Camerer aus dem Heft "not" Januar/Februar 2008 – zurück zur Programmseite info@atemcentrum.de |