Selbstfindung im bewußten Atmen In der heutigen Zeit und vor allem in westlichen Kulturkreisen wird Bewußtsein zumeist mit Denken gleichgesetzt. Viel sinnvoller ist es, diesen Begriff für eine innere Erfahrbarkeitstiefe zu verwenden, die unmittelbar erfaßt, was das Denken nur reduziert abbilden kann. Ein solches Bewußtsein wächst nicht von allein, sondern bedarf der inneren Arbeit. Auf dieser Grundlage ist der Erfahrbare Atem entstanden, ein innerer Wachstums-
weg, der sich die Tatsache zunutze macht, daß sich in der Atemschwingung alle tieferen Lebensvorgänge abzeichnen, die dem Unbewußten zugerechnet werden.Die Atmung geschieht normalerweise unbewußt. Nur in besonderen Situationen, wie z.B. Freude, Trauer, Hektik oder beim willentlichen Luftanhalten wird sie uns bewußter. Auf der Suche nach dem Innenleben kann der Erfahrbare Atem als gleichmäßig sich wiederholende Schwingung wie ein Ordnungsmuster in einer Welt voller Unordnung erfahren werden. Die Atemarbeit unterstützt uns darin, eine aufgerichtete, aufrichtige, aufrechte Lebenshaltung zu entwickeln, die sich weder hart an etwas "klammert" noch sich "gehenläßt", sondern die sich ihrer selbst bewußt ist. Die Atemübungen lassen uns über Grenzen hinausgehen, ohne daß wir uns dabei verlieren, Grenzen erfahren, ohne daß wir an ihnen scheitern oder sie sprengen. Bewußtes Atmen hilft, unseren eigenen Rhythmus zu erkennen und unser seelisches und somit auch unser körperliches Gleichgewicht zu finden und eine Ganzheit von Körper, Geist und Seele zu erfahren, die Raum zu Selbsterkenntnis und Selbstentwicklung gibt. Atemtherapeutische Hilfe bei Symptomatiken - der Muskulatur - der Gelenke und - in der Schwangeren-Vorsorge - zur Stress-Bewältigung - von Hirnverletzungen (Schlaganfall, SHT, Koma) - Atemwegserkrankungen - Angst-und Erschöpfungszuständen Atempädagogische Unterstützung - für Musiker - Lehrer - Referenten - Schauspieler - Sänger - Sportler und - alle, die über Selbstwahrnehmung und -erfahrung zu tieferen Einsichten ihrer selbst gelangen wollen Die Bedeutung des Atems Der Atem ist mehr als nur ein Stoffwechselprozeß, der all unsere Zellen mit Sauerstoff versorgt. Der Atem ist darüber hinaus ein feiner Indikator physischer und psychischer Veränderungen. Er reagiert auf jede Bewegung, jede Berührung, jeden Gedanken, jedes Gefühl. Er ist damit Ausdruck aller seelischen und geistigen Vorgänge im Menschen, also Ausdruck seiner Gesamtbefindlichkeit. Verspannungen, Fehlhaltungen und seelische Konflikte lassen den Atem flach und beengt werden. Atemrhythmus Ein Leben in "atemloser Spannung", in ständiger Hektik, Reizüberflutung und Streßüberlastung führt dazu, daß natürliche Rhythmen verloren gehen. In der Atemarbeit wird das Wechselspiel zwischen Atem, Bewegung, Haltung, und Gefühl erfahrbar, und mit der Zeit wird es möglich, den eigenen Rhythmus und das ursprüngliche freie Fließen des Atems wieder zuzulassen. Die Bewußtwerdung der leiblich-geistig-seelisch und sozialen Einheit des Menschen Die Atemtherapie nach Middendorf geht in ihrer Intention über den rein körperlichen Aspekt der Atmung hinaus und wendet sich an den ganzen Menschen. Sie setzt an der leiblich-geistig-seelischen und sozialen Einheit des Menschen an und arbeitet an deren Bewußtwerdung. In dieser Hinsicht ist Atemerfahrung immer Selbsterfahrung . Den eigenen Atem "wahr"-nehmen ohne ihn zu verändern heißt immer auch mit tiefen Schichten des Bewußtseins in Kontakt treten. Den Atemfluß hemmende körperliche und seelische Haltungen werden bewußt und können so verändert werden. Körpersignale werden verstanden, ernst genommen, die Selbstheilungskräfte mobilisiert. Mit wachsender Durchlässigkeit für die Atembewegung entwickeln sich Lebensfreude, Wohlbefinden und Gelassenheit. Atembewegung Atembewegung, als wellenartige Bewegung, die den ganzen Leib und alle Gewebe durchdringen kann, ist bedingt durch das Zusammenspiel von Atemimpuls, Atemmuskulatur und wird beeinflußt durch Körperhaltung, Muskeltonus und Durchlässigkeit. So wie Bewegung ein Grundkriterium für Leben ist, so ist Atembewegung eine Voraussetzung für die Atmung. Der Erfahrbare Atem Der Atem nimmt unter den vegetativen Grundfunktionen eine besondere Stellung ein: einerseits regelt er sich autonom, andererseits ist er auch willentlich zu beeinflussen. Daraus ergeben sich drei verschiedene Möglichkeiten zu atmen: 1. Der unwillkürliche Atem ist beeinflußt durch eine Vielzahl von inneren und äußeren Gegebenheiten, er ist normalerweise unbewußt und gleicht sich mit jedem Atemzug von neuem den ständig wechselnden Bedürfnissen des Organismus an. 2. Der willkürliche Atem wird vom Willen verändert und geführt. Er ist zielgerichtet, sein Rhythmus läßt den individuellen, unwillkürlichen Atem unberücksichtigt (z.B. Yoga-Atemtechniken). 3. Beim zugelassenen, erfahrbaren Atem geht es darum, den normalerweise unbewußten Atem wahrzunehmen, ohne ihn willentlich zu verändern (der Erfahrbare Atem nach Middendorf). Dieser Erfahrungsweg setzt eine bestimmte seelisch-geistige Haltung voraus: ein Zulassen, eine Gelassenheit, die jedoch der persönlichen inneren Anwesenheit bedarf, um nicht in die Unbewußtheit zu versinken. Praxis In der praktischen Übung sammeln wir uns auf eine bestimmte Körpergegend - oft mit Hilfe der Hände ; das heißt, wir richten unsere ganze Aufmerksamkeit auf die Gegend unter unseren Händen. Durch diese Sammlung werden wir zunehmend empfindungsfähig, wir nehmen unseren körperlichen Zustand mit all seinen Sensationen wie z.B. Wärme, Enge, Weite, Schmerz, Bewegung wahr. Diese Wahrnehmung ist sachlich, sie wertet und interpretiert nicht. Durch Übung der Sammlungs- und Empfindungsfähigkeit wird die Atembewegung mit der Zeit als ein rhythmisches Weit und Schmalwerden der Körperwände wahrnehmbar. Das Zusammenspiel von Sammlung, Empfindung und zugelassenem Atem ermöglicht zunehmend eine ganzheitliche Selbstwahrnehmung. Gruppenarbeit In Atem- und Bewegungsübungen lernen wir, den Atem kommen zu lassen, wir können dieses "Lassen" in die Bewegung hinein fortsetzen, so daß alles, was wir tun, von den inneren Kräften des Atems ausgefüllt und getragen wird. Die Gruppenarbeit findet sitzend auf Hockern, stehend oder auch im Liegen statt. Die sanften und anregenden Atem- und Bewegungsübungen in Ruhe und Dynamik erfordern keinerlei Anstrengung und können leicht in den Alltag integriert werden. Die Übungsangebote wechseln mit Phasen des Nachspürens und des verbalen Austausch über das Erfahrene. Dehnungen, innere Sammlung, Arbeit mit der Stimme und Vokalen harmonisieren die Atmung und lassen die Atembewegung bewußt werden. Weitere Themen sind u.a.: Sammlung - Empfindung - Atem, Atemräume, mühelose Aufrichtung aus dem Atem, Atem und Bewegung, die Arbeit mit Druckpunkten, Haltungsarbeit, Rücken und Hintergrund, atmende Bewegungen,... Vokalatemraumarbeit In der Vokalatemraumarbeit wird die Ausdruckstiefe des Atems, seine Fähigkeit, einen Ton zu bilden und zu tragen mit unserer Leiblichkeit verknüpft. Der tiefe Sinn der Sprache wird in uns geweckt und spürbar lebendig. Einzelarbeit In der Einzelarbeit (am bekleideten, meist liegenden Menschen) wird der Atem direkt über die Hände der BehandlerIn angesprochen. Auf individuelle Situationen kann hier vertieft eingegangen werden. Sanfte Dehnungen und Behandlungsweisen fördern den Atemfluß, lassen spezielle Leibgegenden bewußt werden und helfen bei der Entwicklung von Durchlässigkeit für die Atemkraft. Der Atem wird mit der Tiefe der Person verknüpft. Die Atemtherapie wirkt sich vielschichtig aus: Harmonisierung und Ökonomisierung der Atmung, Verbesserung der Sauerstoffversorgung des gesamten Organismus, Hilfe u.a. bei Symptomatiken im Herz- und Blutkreislauf, im Energie- und Gewebestoffwechsel, in der Schwangerenvorsorge, bei Streßbelastung, positive Beeinflussung bei Muskelspannungen und Haltungsschäden. Innere Spannungen können sich parallel zu muskulären Überspannungen lösen. Allgemeine Krankheitprophylaxe, Rehabilitation nach Operationen und schweren Krankheiten, günstige Auswirkungen bei funktionell und psychosomatisch bedingten Erkrankungen, ... . Unterstützung für Musiker, Referenten, Lehrer, Sprechberufe (Funk- und Fernsehen), Politiker, Schauspieler, Sänger, künstlerisch tätige Menschen. Der "Erfahrbare Atem" richtet sich an Menschen jeden Alters, die über Selbstwahrnehmung und Selbsterfahrung zu tieferer Einsicht ihrer selbst gelangen wollen. Geschichte der Atemarbeit Das Wissen um die Wirkung des Atems auf die Entfaltung des menschlichen Bewußtseins und die körperliche, geistige und seelische Gesundheit reicht mehr als 2000 Jahre zurück. Mit dem Buddhismus und Hinduismus entwickelten sich zahlreiche Atemschulen (Yoga, Zen, XI Gong) in Indien, Japan und China. Zu Beginn unserer Zeitrechnung entstanden die "Pneumaschulen" in Vorderasien und Griechenland. Ziel der Atemschulen waren geistige und persönliche Reifung und die religiöse Entwicklung des Menschen. Am Anfang des 20. Jahrhunderts kamen diese Atempraktiken nach Mitteleuropa. In Deutschland begann eine eigenständige Entwicklung der Atem- und Leibpädagogik, beeinflußt von Heilgymnastik, Tanz, Stimmbildung, Psychotherapie und Psychosomatik. info@atemcentrum.de |